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15.03.2019 13:30 Alter: 96 days

Wölfe in Europa


„Sind alle Fenster zu?“, fragt Katharina Löschnig von der Wildtierhilfe Vorarlberg vorsichtshalber, bevor sie den Deckel einer kleinen Box öffnet, in der, festgeklammert an einem großen Stofftuch, eine kleine Fledermaus zum Vorschein kommt. Katharina Löschnig und ihr Team peppeln diese und zahlreiche andere Pfleglinge zu Hause mit viel Fachwissen auf, um sie dann möglichst rasch wieder zurück in die Natur zu bringen. Mit ihrem Wissen gibt sie den Schüler_innen der Klasse 3b, die seit dem ersten Schuljahr als Europaklasse geführt wird, einen ganz ungewöhnlichen Einblick in die heimische Tierwelt in Vorarlberg und setzt diese auch in Bezug zu Europa.

Julia Hatzl von der Vogelwarte Sempach spürt gemeinsam mit der Klasse dem Wolf nach, der in Westeuropa als ausgerottet galt und langsam aus dem Osten und Süden in die früher von ihm besiedelten europäischen Gebiete zurückkehrt. Was das für das Ökosystem Europas bedeutet, macht die Biologin, die derzeit an ihrer Dissertation über Steinadler arbeitet, mit wenigen Handgriffen an der Tafel deutlich. Der Begriff der ‚trophischen Kaskade’ fasst die vielfachen Veränderungen zusammen, die ein einzelner Räuber, wie der Wolf, beim Eintritt in ein Ökosystem über die Nahrungskette hervorruft. Vereinzelt wurden Wölfe auch schon in Vorarlberg gesichtet, an alte Schauergeschichten, mit denen der Wolf über Jahrhunderte stigmatisiert wurde, sollte man dabei aber nicht glauben. Der Wolf ist vor allem scheu und hält sich vom Menschen fern. Für eine Schafherde, die dem Wolf einem gedeckten Tisch gleichkommt, gilt das allerdings nicht. Aus diesem Grund sind Maßnahmen für den Herdenschutz unumgänglich. Um zu zeigen, wie man dem Wolf und anderen Tieren nachspüren kann, packt Julia Hatzl ein Ortungsgerät aus und demonstriert live in der Klasse, wie dieses funktioniert. Einen Sender, der bis vor einiger Zeit auf dem Rücken eines Adlers durch die Lüfte flog, hat sie ebenfalls dabei. Mit einem lauten oder leisen Klicken zeigt das Ortungsgerät an, ob der Sender eher in der Nähe oder weiter entfernt ist.

Im Zusammenhang mit der Bewerbung von Dornbirn, Hohenems, Feldkirch und dem Bregenzerwald zur Europäischen Kulturhauptstadt 2024 ist am Gymnasium Schillerstraße die „Europaklasse“ ins Leben gerufen worden: Seit drei Jahren führen die Schülerinnen und Schüler der derzeitigen 3b-Klasse von Prof. Philipp Wolf einen kreativen „Dialog“ über Europa, der ihre gesamte Schulzeit andauern und im Kulturhauptstadtjahr seinen „Höhepunkt“ finden soll. Bisher hat die Klasse mit großem Engagement und viel Freude philosophiert, europäische Geschichten erzählt, einen Zivilcourage-Workshop absolviert, mit Konrad Bönig eine Europahymne komponiert und mit der ehemaligen österreichischen Außenministerin Dr. Ursula Plassnik über Europa diskutiert.

Projektleitung
Sabine Benzer
Frauke Kühn

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